Kein Opfer ist je vergessen.
1937 - 15. Dezember 1992 ✝
Am 15. Dezember 1992 wurde Bruno Kappi im Einkaufszentrum Siegen-Weidenau aus "Abneigung gegen Behinderte" und "ungezügelter Aggressionslust", so die Staatsanwaltschaft, überfallen und zu Tode getreten.
Bis heute bleibt die Tat ungesühnt.

Bruno Kappi befand sich auf dem Weg zur Arbeit. Frühmorgens hatte er sich von der Weidenauer Siedlung Münkershütten auf den Weg zur Dienststelle gemacht, der Bundeswehr-Standortverwaltung am Effertsufer in Siegen. Dort arbeitete er im Lager der Kleiderkammer. Gegen 4:30 Uhr, so rekonstruierten die Kriminalen später, führte ihn sein Weg durchs Siegerlandzentrum, wo es passierte.
Vor einem Kaufhaus kam es zu dem Überfall mit vermutlich drei Tätern. Bruno Kappi muss sich bei dem Überfall noch gewehrt haben. Der 55-Jährige stirbt noch am Tatort, die Liste der ihm zugefügten Verletzungen füllt im Urteil eine halbe DIN A4-Seite. Nur noch seinen Schwerbehindertenausweis trug Bruno Kappi bei sich. Von der Tasche mit persönlichen Gegenständen fehlte jede Spur.
Nach längeren Ermittlungen verdichtete sich der Verdacht gegen drei junge Neonazis aus Siegen im Alter von 17, 21 und 23 Jahren, die vermutlich für den Überfall auf Bruno Kappi verantwortlich waren.
Man ging davon aus, dass die Angriffe aus niedrigen Beweggründen verübt wurden, und erhob Anklage gegen den 21-Jährigen wegen Mordes. Der damals 16-Jährige soll ebenfalls an dem Überfall beteiligt gewesen sein.
Im Januar 1994 begann der Prozess gegen sie. Beide Angeklagten waren bereits wegen ausländerfeindlicher Vergehen bekannt.
Der Prozess verlief jedoch enttäuschend für die Justiz. Alibis wurden vorgelegt, Zeugen änderten ihre Aussagen oder widerriefen. Die Angeklagten wurden letztlich freigesprochen.
Der Richter sprach von einem bleibenden Verdacht. Das Urteil führte zu Protesten in Siegen.
Sind Taten aus der Wahrnehmung des Tagesgeschehens verschwunden, wird wieder zur Tagesordnung übergegangen. Genau deswegen ist es wichtig, mit einem Denkmal daran zu erinnern, dass hier in Siegen an dieser Stelle Gewalt gegen einen Menschen mit Behinderung aufgrund eines widerwärtigen Herrenmenschendenkens ausgeübt wurde.
Eine 55 cm mal 55 cm große Bodenplatte schildert den Tathergang und weist auf die Lebensdaten Kappis hin.
"Uns zur Mahnung, steten Scham und Aufforderung."




Eine 1,10 m hohe Bronzefigur komplettiert die Bodenplatte und richtet ein Auge mit entsetztem Blick auf die Tafel im Boden und Botschaft darauf.
Die gespannte Haltung der kindlich karg körpermodellierten Aktfigur zeigt das sprichwörtliche "blanke", "nackte" Entsetzen.
Bronze gilt als edelstes Material für eine Plastik im öffentlichen Raum. Die Figur leuchtet magisch in den öffentlichen Raum und ist unübersehbar.

Aufgewachsen in Biersdorf am Fuße des Westerwaldes, studierte Olaf neopan Schwanke Kunst, Germanistik und Neue Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität-Gesamthochschule Siegen. Heute arbeitet er als freier Kulturjournalist, Schriftsteller, Bildender Künstler, Moderator, Kurator und Kunstdozent.
Seit 1985 ist er in Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, Polen und den Niederlanden vertreten. Er veröffentlichte Hörspiele, Erzählungen und Gedichte in Monographien und Anthologien und wurde 1998 und 2000 für den Literaturpreis des NRW-Kulturministeriums nominiert. 2006 erhielt er den vo:pa-Literaturpreis.
Seit 2021 leitet er die Jugendkunstschule Siegen-Wittgenstein. Seine Arbeiten sind u. a. im Westfälischen Literaturmuseum, in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main und Leipzig sowie im Deutschen Literaturarchiv Marbach zu finden.
Zur Erinnerung an Bruno Kappi und die Tat wurde das Gedenkvideo unter Beteiligung des ehemaligen Beauftragten für Menschen mit Behinderungen der Stadt Siegen, Rainer Damerius, dem Künstler Olaf neopan Schwanke und Stephan Klenzmann als Vertreter des Siegener Bündnisses erstellt. Realisiert hat den Film die Wilnsdorfer Agentur Dreamcode.
In Siegen hat sich im Jahr 2008 das „Bündnis für Demokratie“ gebildet. Das Bündnis trifft sich regelmäßig zum Austausch über aktuelle Vorfälle, Übergriffe und Entwicklungen. Beteiligte des Bündnisses bieten zudem Informationsveranstaltungen für das Bündnis an.

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